Gute Beispiele im Landkreis
Beispiele zu umgesetzten Maßnahmen der Kommunen im Landkreis
Gemeinde Erzhausen
Erzhäuser Klimatage
Die Gemeinde Erzhausen organisierte in Kooperation mit dem Ortskundlichen Arbeitskreis Erzhausen im Jahr 2025 erstmals die Erzhäuser Klimatage. Hierzu fanden verschiedene Beteiligungsformate statt, in denen Klimaanpassung und auch Klimaschutz konkret zugeschnitten auf die Gemeinde Erzhausen erörtert und diskutiert wurden.
Mehr lesen über die Erzhäuser Klimatage
Im Rahmen der ersten Erzhäuser Klimatage erfolgte ein Ideenwettbewerb, in dem Kinder, Jugendliche sowie Schülerinnen und Schüler der Lessingschule und Hessenwaldschule dazu eingeladen wurden, ihre Ideen zur Thematik „Mach die Bahnstraße klimafit!“ einzureichen. Der Ideenwettbewerb stieß auf große Resonanz, sodass der Wettbewerb sogar verlängert wurde. Es wurden zahlreiche Ideen eingereicht, wie beispielsweise Modelle einer Klimainsel für den Hessenplatz, Zeichnungen, Fotografien, aber auch Texte.
Am Donnerstag, den 16. Oktober 2025 stand der Wald im Vordergrund. Der Wald trägt maßgeblich zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung bei, indem er beispielsweise CO2 speichert und bei Hitze einen kühlen Rückzugsort darstellt. Außerdem sind der Wald und die Natur für das menschliche Wohlbefinden von großer Bedeutung. Durch einen geführten Spaziergang durch den Erzhäuser Wald, wurden Bürgerinnen und Bürgern die bedeutende Funktion des Waldes für die Gesundheit und den Alltag bewusst gemacht. Bereits ein Spaziergang kann das (permanente) Stresslevel senken und trägt damit zu gesundheitlichen Vorteilen bei.
Als Abschluss der Erzhäuser Klimatage gab es am Freitagabend des 17. Oktobers einen gut besuchten Vortrag von Dr. Saskia Buchholz des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Frau Dr. Buchholz präsentierte neuste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Klimawandelfolgen speziell im Rhein-Main-Gebiet, welches bundesweit eine der am stärksten betroffenen Regionen im Klimawandel darstellt.
Die Gemeinde Erzhausen plant in Kooperation mit dem Ortskundlichen Arbeitskreis Erzhausen nach diesem vollen Erfolg nun schon die zweiten Erzhäuser Klimatage, voraussichtlich im Spätsommer 2026.
Gemeinde Fischbachtal
Leitfadens zur klimafreundlichen Bauleitplanung
Die Gemeinde Fischbachtal hat im Jahr 2021 in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt die Entwicklung eines Leitfadens zur klimafreundlichen Bauleitplanung beschlossen. Der Leitfaden wurde von 2022 bis 2024 von einem zwölfköpfigen Arbeitskreis erarbeitet. In dem Arbeitskreis waren neben Vertreterinnen und Vertretern des Gemeindevorstands, der Gemeindeverwaltung und der Hochschule Darmstadt auch jeweils eine Person pro Fraktion der Gemeindevertretung vertreten. Die Hochschule Darmstadt hat den Prozess in einem Film verfolgt, welcher online einzusehen ist.
Mehr lesen über den Leitfaden zur klimafreundlichen Bauleitplanung
2025 wurde das Projekt vom Land Hessen für die erfolgreiche Umsetzung mit dem Preis der „Klima-Kommunen“ in der Kategorie Klimaschutz ausgezeichnet. Für Fischbachtal stand von Projektbeginn an fest, sowohl dem Klimaschutz als auch der Klimaanpassung gerecht werden zu wollen. Für die Umsetzung bedeutet dies, eine energieeffiziente Bauweise zu etablieren, sich aber auch gleichzeitig gegen Extremwetter in Form von Hitze und Starkregen zu wappnen. In einem 2022 gegründeten Arbeitskreis mit zwölf Mitgliedern, zusammengesetzt aus Gemeindevertretung, Gemeindeverwaltung und der Hochschule Darmstadt, wurde ein Leitfaden und eine darauf aufbauende Toolbox zur klimafreundlichen Bauleitplanung entwickelt.
Die Toolbox besteht aus fünf Instrumenten, die online zur Verfügung stehen (https://www.fischbachtal.de/rathaus/rathausnachrichten/klimafreundliche-bauleitplanung-in-fischbachtal-id_1375/):
- Tool 1: Zielfindung
- Tool 2: Check Rahmenbedingungen (in Bearbeitung)
- Tool 3: Festsetzungskatalog inklusive Benutzerhandbuch
- Tool 4: Leitfaden mit Checkliste und Variantenvergleich
- Tool 5: Wirkungsanalyse
Die Benutzung der Toolbox wurde im September 2024 einstimmig in der Gemeinde Fischbachtal beschlossen und soll zukünftig als professionelle Arbeits- und Entscheidungshilfe bei der Aufstellung der Bebauungspläne zum Einsatz kommen. Dabei sind Tool 1 und Tool 3 bei jeder Bebauungsplanung anzuwenden, während die anderen Tools zur Unterstützung und Ergänzung dienen.
Gemeinde Griesheim
Der Fachbereich Stadtentwicklung der Stadt Griesheim hat bereits erfolgreich einige Maßnahmen zur Klimaanpassung in die Umsetzung gebracht. Dazu zählen ein Stadtklimagutachten, die Anlage eines Tiny Forests, die Installation eines „Grünen Zimmers“ im Innenstadtbereich sowie eine Griesheimer Version des „Hitzeknigge“ des Umweltbundesamtes mit Tipps zum Verhalten bei Hitze. Nähere Informationen zu dem „Grünen Zimmer“ und den Tiny Forests/Miniwäldern finden Sie im Folgenden.
Grünes Zimmer
Die Idee des „Grünen Zimmers“ ist es, einen öffentlichen Raum der Abkühlung und Beschattung für Bürgerinnen und Bürger an den warmen bis oftmals heißen Sommertagen in Grießheim zu schaffen.
Mehr lesen über das „Grüne Zimmer“
Mit einer Begrünungsanlage im Übergang vom Georg-Schüler-Platz zur Wilhelm-Leuschner-Straße wurde hinter der Straßenbahnlinie eine kleine Frischluft-Oase mit Sitzgelegenheiten installiert. Das „Grüne Zimmer“ besteht aus bepflanzten Modulbaukästen mit diversen Stauden und speziell von der Universität Stuttgart entwickelten „Baumwänden“. Eine Herausforderung dabei war, die Baumstandorte trotz der unmittelbaren Nähe zu den Oberleitungen der Straßenbahn zu ermöglichen. Das Dach ist baubotanisch aus miteinander verbundenen jungen Platanen konstruiert und spendet mit den Rück- und Seitenwänden Schatten. 140 m², mit 6.900 Pflanzen (bestehend aus 30 Arten), bieten Gästen des „Grünen Zimmers“ ein Stück Natur, spenden Frischluft und bieten vielen Insekten mitten in der Stadt einen Lebensraum. Außerdem wurde mit versickerungsfähigem Pflaster die Wasseraufnahme des Bodens verbessert.
Ein weiteres Highlight des „Grünen Zimmers“ ist die freistehende Vertikalbegrünung mit Wänden aus Moos. Das Stellwand-Modul aus Moos erfüllt ebenso wie die Begrünungsanlage gleich mehrere positive Funktionen. Zum einen reduziert die Stellwand den Lärm der Straße und der Straßenbahnlinie, zum anderen filtert sie über 80 % des Feinstaubs aus der Luft und kühlt gleichzeitig die Umgebungstemperatur um bis zu 4 °C. Ein einziges Stellwandmodul kann zudem bis zu 177 Kilogramm CO2 pro Jahr kompensieren und Schadstoffe wie Rußpartikel aus der Luft filtern.
Tiny Forests/Miniwälder
Der Fachbereich Stadtentwicklung in Griesheim hat mittlerweile an fünf Standorten in Griesheim sieben Tiny Forests/Miniwälder in Zusammenarbeit mit Schulklassen, Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Unternehmen angelegt, welche bis heute gepflegt werden.
Mehr lesen über die Tiny Forests/Miniwälder
Im Rahmen der Pflanzarbeiten sind auf diese Weise bisher 2.800 m² zusätzliche Grünfläche in Form von 8.400 Bäumen und Sträuchern im Stadtgebiet neu entstanden. Miniwälder zeichnen sich durch eine enge Bepflanzung unterschiedlicher, heimischer Baum- und Straucharten aus. Anders als bei einem klassisch gewachsenen Wald, wird beim Anlegen eines Tiny Forest‘s oder Miniwalds auf die enge Bepflanzung der verschiedenen Sträucher und Bäume bewusst Wert gelegt. In der initialen Wachstumsphase sollen sich die Wurzeln gegenseitig besser stützen aber auch in Konkurrenz miteinander stehen. Auf diese Weise erzielen die angesetzten Miniwälder ein bis zu 10 mal schnelleres Wachstum und einen bis zu 30 mal dichteren Pflanzenverbund als ein herkömmlicher Wald (Stadt Griesheim 2026c).
Somit ist der Miniwald eine Möglichkeit den Herausforderungen des Klimawandels entgegenzuwirken, insbesondere da er sich für kleinere Flächen innerhalb des Siedlungsraums eignet. Der primäre Nutzen besteht dabei in der Kühlung der unmittelbaren Umgebungstemperatur durch Transpiration sowie durch Verschattung. In Kombination mit der relativ kurzen Wachstumszeit sind sie eine gute Lösung für im Sommer aufgeheizte und dicht bebaute Siedlungsflächen. Miniwälder liefern zudem auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Besonders in urbanen Siedlungen bieten sie einen Lebensraum und Zufluchtsort für viele Tierarten. Weiterhin tragen Miniwälder zur Reduktion von CO2 bei und können bei Starkregenereignissen mehr Schutz vor Überflutungen bieten als eine versiegelte Fläche (Stadt Griesheim 2021).
Stadt Groß-Umstadt
Erosionsschutz in Raibach
Südlich des Groß-Umstädter OrtsteiIs Raibach werden landwirtschaftliche Nutzflächen mit einer Hangneigung von 15 und 20 % bewirtschaftet. Aufgrund der steileren Hänge und einer Zunahme von starken Niederschlagsereignissen sind derartige Hanglagen trotz guter Bewirtschaftungspraxis sehr anfällig für Bodenerosion. Die Folgen von Starkregenereignissen sind häufig der Abtrag von fruchtbarem Bodenmaterial und Schlammfluten, die von den Hängen in die am Hang gelegenen Ortslagen abgehen. Gegen Schäden durch Bodenerosion werden hier Erosionsschutzstreifen zum Schutz verwendet.
Mehr lesen über den Erosionsschutz in Raibach
Im Zusammenschluss von Ortsbeirat, Umweltamt, Landwirtschaft und der fachlichen Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft (AGGL) wurde sich dieser Problematik angenommen. Insbesondere Zuckerrüben, die eine sehr langsame Entwicklungsphase haben, aber auch hohe Profite bringen (sogenannte Cash-Crops), bieten bei Starkregen in der Entwicklungsphase keinen wirksamen Widerstand. Ihr Anbau kann daher zu Hangabspülung und Bodenerosion führen. Um den Zuckerrübenanbau und die Ortslagen vor Starkregenereignissen besser schützen zu können, kam hier das Konzept von Erosionsschutzstreifen zum Einsatz. Dabei werden hangparallele Streifen mit einer bestimmten Breite mit schnell wachsendem Saatgut eingesät, mit dem Ziel die Fließgeschwindigkeit des Oberflächenabflusses bei Starkregen zu verringern. Die Rauigkeit der zügig gewachsenen und dichten Vegetation bremst den Hangabfluss und kann das Niederschlagswasser besser infiltrieren als eine unbewachsene Ackerfläche.
In Raibach wurden auf diese Weise durch die AGGL die kritischen Flächen berechnet, welche bereits im März, vor der Rübenaussaat, mit Wintergerste mit hoher Saatstärke angelegt wurden. Angelegt wurden zweieinhalb Erosionsstreifen mit einer Breite von neun Metern. Nach 14 Tagen war die Wintergerste schon deutlich sichtbar und es konnten die Zuckerrüben gesät werden.
Gemeinde Modautal
Flächenumwidmung im Ortsteil Neutsch
Im Jahr 2018 kam es im Modautaler Ortsteil Neutsch innerhalb von sechs Wochen zu zwei Starkregenereignissen mit Folgeschäden. Auch in der Vergangenheit, im Jahre 1970 und 1976, war Neutsch von Extremwettern betroffen. Im Jahr 1976 wurden sogar Autos durch die Wassermassen weggespült und Schweine ertranken in ihren Ställen. Aufgrund der jüngsten Ereignisse im Jahr 2018, bei welchen ein Gebäude im Ort von beiden Starkregenereignissen durch Hangabspülung von Schlammfluten betroffen war, kam es zu einer Flächenumwidmung einer der betroffenen landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Mehr lesen über die Flächenumwidmung im Ortsteil Neutsch
Die entsprechende Ackerfläche wurde der Gemeinde Modautal als Liegenschaft umgewidmet, um die Fläche gezielt zu bewirtschaften und den Oberflächenabfluss bei Starkregen abzubremsen. Die Umwidmung des Flurstücks ist ein gutes Beispiel für geeignete Maßnahmen zur Anpassung an Extremwetter. Im Idealfall wird durch eine veränderte Flächenbewirtschaftung die Bodenerosion minimiert und die Gebäudeinfrastruktur besser vor Oberflächenabfluss und Schlammfluten geschützt.
Stadt Reinheim
Schwammstraße im Stadtteil Ueberau
Die Stadt Reinheim hat am nördlichen Stadtrand des Stadtteils Ueberau eine Sanierungsmaßnahme in der Brunnen- und Sudetenstraße im Sinne einer Schwammstraße durchgeführt. Bei einer ohnehin notwendigen Sanierung der beiden Straßen wurden mehrere Sanierungskonzepte vorgestellt und unter der Beteiligung von Anwohnerinnen und Anwohnern das Konzept der Schwammstraße ausgewählt. Ziel war es, die Kanalisation zu entlasten, indem bei starken Niederschlagsereignissen zusätzlicher Rückhalt durch Versickerung in Pflanzgruben geschaffen wird.
Mehr lesen über die Schwammstraße im Stadtteil Ueberau
Weitere positive Effekte sollten sich durch eine Verkehrsberuhigung ergeben, bei der die klassische Straße mit Gehwegen in einen verkehrsberuhigten Bereich (umgangssprachlich Spielstraße) umgebaut wurde. Bei dieser Konzeption wird das Niederschlagswasser über eine Rinne in der Mitte der Straße sowohl in die Sinkkästen der Kanalisation eingeleitet als auch gezielt den Pflanzgruben zugeführt. Dazu wurden zehn Pflanzgruben in der Brunnen- und Sudentenstraße jeweils zueinander versetzt und gegenüberliegend am Seitenrand der Straße angelegt. Das Ergebnis ist eine Sanierung mit Multifunktion: Die Entlastung der Kanalisation durch Rückhalt von Niederschlagswasser in der Pflanzgrube; ein Beitrag zur Grundwasserneubildung durch die Substratmischung der Pflanzgrube, die das versickernde Oberflächenwasser von Schadstoffen filtert und danach in den natürlichen Boden abführt; die Begrünung an sich, die zum Erhalt der Biodiversität sowie zur Aufenthaltsqualität der Anwohnerinnen und Anwohner beiträgt.